Feltens Pädagogische Palette

"In jeder Lerngruppe langweilt sich ein Fünftel der Schüler zu oft,
ein weiteres Fünftel fühlt sich häufig überfordert."

(Andreas Helmke, Unterrichtsforscher)

Nicht ohne Individualisierung - aber mit Maß und Lenkung !


Jedem Schüler sein persönliches Arbeitsblatt?

Individualisierung im Unterricht ja - aber behutsam ...

Unterrichtsforscher Andreas Helmke 2011 in der ZEIT


Maßnahme oder Grundhaltung?

Fördern heißt ermutigen - nicht bürokratisieren ...

Michael Felten in "Schulverwaltung NW / BY" 2012   Text


Nur bei hochgradiger Lehrerlenkung und Stoffstrukturierung!

Differenzierung kann Lerneffekte steigern - öffnet aber auch die Leistungsschere !

Lernforscher Lipowsky 2015 in einer Review

Talente ohne Chancen? Ein Talentscout bei der Arbeit ...

"Lebensläufe können anders verlaufen – wenn man es nur will." dradio 2.1.2017


Zur Problematik eigenverantwortlichen Lernens

Neuer Königsweg des Lernens oder pädagogischer Kitsch?

FAZ vom 8.7.2010 (auch "Schulverwaltung NRW")


Zu den Nebenwirkungen offener Unterrichtsformen

Schreibfähigkeit von Grundschülern leidet unter zu lockerem Unterricht  ZEIT 21/2013


Ein guter Förderort - mit Eigeninitiative, Fachdiagnostik und Anleitung

Die Mathe-Werkstatt

(Mein Artikel aus Schulverwaltung NW 5/2005 und BY 4/2006)   Kurzversion

 

Längst erwiesen: Offener Unterricht riskiert, Schwächere zu benachteiligen

Hinweis: Die nachfolgende Skepsis gegenüber offenen Unterrichtsformen betrifft nicht die sog. offenen Aufgabenstellungen, etwa im Mathematikunterricht. Das sind Aufgaben, die Lösungen auf unterschiedlichsten Niveaus zulassen - nach einer Phase individueller Entdeckungen werden diese im Plenum gegenseitig vorgestellt. Videostudien im Rahmen der TIMSS II-Studie haben am Beispiel Japan gezeigt, dass von einem solchen Vorgehen Schüler aller Kompetenzniveaus profitieren - wenn es mit vielfältigen Phasen intelligenten Übens abwechselt und mit großer (Selbst)Disziplin betrieben wird. Dazu gibt es auch im deutschsprachigen Raum wichtige neue Entwicklungen und Materialien (vgl. etwa SINUS-Transfer).

Das aktuelle Buch des Kinder- und Jugendpsychiaters Michael Winterhoff hat die Debatte um die Problematik offener Unterrichtsformen erneut belebt.     dradio Streitgespräch vom 7.12.2019 lesen/hören

Eine anschauliche Darstellung dazu, warum Kinder aus bildungsferneren Schichten in wenig strukturierten und ergebnisoffen organisierten Lernsettings benachteiligt sind, findet man schon bei Hermann Giesecke: Warum die Schule soziale Ungleichheiten verstärkt. Ein Zwischenruf. (Neue Sammlung 2/2003, S. 254-256)   Volltext

Die empirische Bildungsforschung hat diese Skepsis aktuell verbreitert und bestätigt: "Geöffnete Unterrichtsformen laufen demnach Gefahr, insbesondere die Schüler mit geringeren Vorkenntnissen zu benachteiligen, da die Komplexität der behandelten Probleme und Aufgaben das Arbeitsgedächtnis der Schüler zu stark belastet und damit das Lernen und Verstehen neuer Inhalte erschwert." (Lipowsky & Lotz, 2015, S. 167f)   Details

Wer die englischsprachige Forschung verfolgte, wusste dies bereits seit längerem ... Günther, Henning: Kritik des offenen Unterrichts. Gesellschaft für die deutsche und europäische Zusammenarbeit GDEZ Bielefeld 1996 (Zusammenfassung in: Michael Felten: Kinder wollen etwas leisten. Kösel 2000. S. 70-72)

Der angesehene Didaktiker Hilbert Meyer, dessen Konzept auch den ersten Schulinspektionskonzepten in NRW zugrunde lag, schrieb bereits 2004 in seinem Lehrbuch „Was ist guter Unterricht?": „Über die positiven Effekte von Handlungsorientiertem Unterricht, von Freiarbeit oder Offenem Unterricht findet sich in Studien eher wenig. Und das Wenige führt zu keinen eindeutigen Ergebnissen."

In Deutschland hat die BIJU-Studie schon vor 2000 festgestellt, dass man in "Positivklassen" (also Klassen mit hohen Werten bei Lernzuwachs, Selbstvertrauen und Schulfreude) u.a. deutliche Lehrerorientierung und geringen Einsatz offener Unterrichtsformen vorfindet. Genauer dazu: Baumert, Jürgen und Köller, Olaf: Bildungsverläufe und psychosoziale Entwicklung im Jugendalter. Opladen 1998

Die Nachuntersuchung PISA I PLUS hat übrigens ergänzend festgestellt, dass diejenigen Lehrkräfte vergleichsweise hohen Kompetenzzuwachs erreichten, die Wert auf ein disziplin- und leistungsorientiertes Lernklima legten, die anspruchsvoll unterrichteten und interessiert an Fortbildung waren. Zusammenfassung

Ohnehin haben sich viele Unterrichtsmethoden zu Unrecht mit dem Begriff "offen" geschmückt - schon früh beschrieben u.a. von Horst Bartnitzky in "Von Mogelpackungen, Irrwegen und Innovationen" (nds Heft 4/98, S. 24-29).

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