Feltens Pädagogische Palette

"Ihr Lehrer seid Experten des Wissens - aber ihr
müsstet auch Meister des Unwissens sein."

(Daniel Pennac, Schulkummer)


Direkte Instruktion: kein alter Hut, sondern ein lernpsychologischer Hit !

Angesichts der Heterogenität vieler Lerngruppen ist vielfach der Eindruck entstanden, man könne den „Lernbedürfnissen“ der Schüler nur mittels maximaler Individualisierung („Jedem sein persönliches Arbeitsblatt!“) gerecht werden. Eine solche Überadaptivität ist aber - insbesondere in weiterführenden Schulen - nicht nur unrealisierbar, sie verzichtet auch auf wichtige Vernetzungs- und Anpassungsleistungen der Schüler.

Ein Unterrichten der gesamten Klasse muss keineswegs als frontaler Paukermonolog ablaufen, sondern kann hochgradig adaptiv, aktivierend
und abwechslungsreich vom Lehrer organisiert werden - z.B. so:

# Lehrperson erklärt neuen Lerninhalt bzw. erschließt ihn mit der Klasse
# Schüler erproben individuell einfache Aufgabenstellungen
# Austausch und Debatte der Erfahrungen im lehrermoderierten Klassengespräch
# Schüler festigen/vertiefen ihr Wissen/Können an komplexeren Übungen (einzeln, in Gruppen).

Laut Hattie-Studie besitzt direct instruction eine hohe Effektstärke von 0,60 (dagegen etwa Individualisierung 0,22 oder Freiarbeit 0,04) - besonders profitieren davon leistungsschwächere Schülern.

Verweise:

Wie effektiv und dynamisch kann Klassenunterricht ablaufen - und warum hat er nichts mit dem Feindbild "Frontalunterricht" zu tun? Lesen Sie meinen Artikel aus der FAZ vom 9.10.2014 - hier.

In „Pädagogik“ war „Direkte Instruktion“ Themenschwerpunkt des Heftes 1/2014. Jochen Schnack, Herausgeber des Heftes, stellte das Grundprinzip vor dem Landesinstitut Hamburg dar - sein Foliensatz hier.

Was Hattie im einzelnen unter direct instruction versteht, kann man auch auf der Website des Grundschullehrers Marek Breuning nachsehen - hier.

Dass „Frontalunterricht“ und „Instruktionsunterricht“ nicht dasselbe sind, klärt im einzelnen auch der Sozialwissenschaftler Martin Wellenreuther - hier.

Eine differenzierte Darstellung von Befunden zum "Klassenunterricht" hat der Grundschuldidaktiker Wolfgang Einsiedler vorgelegt - hier.

Wie kann eine gute Unterrichtsstunde im Fach Mathematik heute praktisch aussehen?
Das skizziert mein Beitrag in "Pädagogik 1/2014 - hier

Die Qualität allen Plenumsunterrichts steht und fällt mit dem Stil der Klassenführung (classroom management) und der Güte der Lehrer-Schüler-Beziehung - mehr dazu hier

Dass sich Schüler in den Wüsten der Selbstlernidyllik nach geführtem Unterricht sehnen, bescheibt auch Rainer Werner: "Wann machen Sie wieder Frontalunterricht?"

Direkte Instruktion - das aktuelle Referenzwerk für die Praxis, mit allem Drum und dran, samt Geleitwort von Prof. Helmke     Besprechung 2019

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